Thomas M. Schmidt: Schlagzeug
Habakuk-Mitglied von 1976 - 85
*12.07.1960
+31.12.2025
Alben:
* Manchmal finde ich eine Spur
* Aus Liebe zum Menschen
* Singen will ich und nicht klagen
Nachruf auf Thomas M. Schmidt
Jahrzehnte bevor Thomas im Jahr 2003 den Lehrstuhl für Religionsphilosophie am katholischen Fachbereich der Frankfurter Goethe-Universität übernahm, war er von 1976 – 1985 für fast zehn Jahre Schlagzeuger unserer Frankfurter Band HABAKUK. Seine Mutter hatte unsere musikalische Suchanzeige in der Monatsschrift „WIR“ des Evangelischen Stadtjugendpfarramtes gelesen und vermittelte uns ihren Sohn, der noch zur Schule ging. Thomas war bis dahin bereits Schlagzeuger der Heddernheimer Schüler-Rockband „Blockadebrecher“ und erweiterte (zur Freude seiner Eltern) seine musikalische Kompetenz in der Begleitung von Kirchen-Popkonzerten und Gottesdiensten.
Von Anfang an war HABAKUK ökumenisch besetzt. Aspekte evangelischer, katholischer und freikirchlicher Theologie hatten darum stets Einfluss auf unser musikalisches Schaffen. Entstehende Liedtexte wurden insofern durch drei Brillen betrachtet. Immer mit Humor und Schalk im Nacken, vertrat Thomas die katholische Perspektive.
Auf unseren drei ersten Schallplatten – „Manchmal finde ich eine Spur“, „Aus Liebe zum Menschen“ und „Singen will ich und nicht klagen“ hat sich „Schmidti“ musikalisch verewigt. In die Entstehungsprozesse hin zu unseren Studioaufnahmen mischte er sich mit kluger und zugewandter Kritik in die Arbeit ein. So wurde ihm die ökumenische Friedensmesse „Aus Liebe zum Menschen“ ein Herzensanliegen, nachdem wir gemeinsam Pater Erlinghagen S.J. kennengelernt hatten, der zu den überlebenden des Atombombenabwurfs über Hiroshima gehört hatte. Vehement vertraten wir gemeinsam den pazifistischen Gedanken des „Nie wieder! Nie wieder Krieg“.
Den Abschluss unserer musikalischen Jahre bildete im Auftrag des Stadtjugendpfarramtes jeweils die inhaltliche und musikalische Gestaltung der ökumenischen Christmette, die am Heiligen Abend um 23 Uhr in der Frankfurter Katharinenkirche stattfand. Thomas gehörte zur Vorbereitungsgruppe. Mit Hintergrundwissen und rhetorischem Geschick verband er sein inhaltliches und musikalisches Engagement. Die Art und Weise, wie er Gebets- und Meditationstexte zu formulieren verstand, ließ erahnen, dass sein Weg in die Wissenschaft führen würde, obwohl es auch wieder unvorstellbar war, dass der leidenschaftliche Fußballer und kompromisslose Vorstopper des SV Heddernheim nicht auch eine ganz andere Entwicklung hätte nehmen können.
Unsere letzte Begegnung liegt ein Jahrzehnt zurück. Thomas hat 2015 mit uns gemeinsam das 40jährige Band-Jubiläum in der Frankfurter Friedenskirche gefeiert. Wie fast alle ehemaligen Bandmitglieder war auch er gekommen. Die ehedem schwarzen Haare waren auch bei ihm grau geworden. Aber sein Blick hatte die gleiche kluge und listige Intensität wie früher. Und er schien weiterhin so fit zu sein, wie wir ihn von früher kannten. Es war ein schönes Wiedersehen.
Dass er nun am 31.12.25 mit nur 65 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit aus dem Leben gerissen wurde, macht uns traurig. Nach Angelika Dietze und Marc André Haller legen wir bereits das dritte ehemalige Mitglied der Band HABAKUK in die offenen Arme Gottes zurück.
Dabei trägt uns die Hoffnung, von der wir in unserem Lied zu Psalm 90, dem großen Sterbepsalm der Bibel singen. Der Refrain von „Noch ehe die Sonne am Himmel stand“ lautet: „Du bist Gott, unser Gott, die Zuflucht für und für. Dir leben wir, dir sterben wir – wir gehen von dir zu dir“.
Eugen Eckert